Kummerbund
Von seiner Wortgeschichte her betrachtet ist der Kummerbund bestimmt kein Kind von Traurigkeit. Sein Vorbild ist der persische „kamarband“, eine traditionelle Bauchschärpe. Dieses exotische Kleidungsstück fand seinen weg vermutlich in der Kolonialzeit über England nach Europa und hielt seither Einzug in die Westliche Garderobe. Der Kummerbund in seiner heutigen Form (als mehrfach gefaltete, breite Stoffbahn aus Seide) taucht erstmals in den 1930er Jahren zu halbformeller Sommergarderobe auf und findet dort Verwendung als Westenersatz. Zu einer Zeit, als der Mann von Welt das Weglassen der Weste zu jeder Form von Ausgehkleidung noch für ein Unding hielt, bot er entscheidende Vorteile gegenüber dieser: Er übernahm die Funktionen der Weste, wie beispielsweise Verdecken des Hosenbundes, der Hosenträgerenden und des Endstückes des gestärkten Einsatzes beim Frackhemd und bot zudem erhöhte Bewegungsfreiheit und deutlich weniger Stoff um den Oberkörper.
In die Tagesgarderobe konnte der Kummerbund dagegen nie Einzug halten, obgleich er auch hier an heißen Sommertagen eine Wohltat wäre. Mittlerweile ist es jedoch genauso gut möglich, die eventuell als zu warm oder störend empfundene Weste tagsüber einfach wegzulassen (mit Ausnahme von Cut und Stresemann). Man trägt den Kummerbund heute ausschließlich zum Smoking, wobei er, getreu dem historischen Vorbild, vor allem zu sommerlichen Varianten mit weißem Jackett oder aber zu Smokingjacken mit Schalkragen einen guten Eindruck macht. Zum Frack dagegen sollte der Kummerbund allein schon deswegen nicht getragen werden, weil er häufiger Bestandteil der Garderobe von Orchestermitgliedern ist und somit nur für unnötige Verwechslungsgefahr sorgen würde.
Besonders praktisch: Kummerbünde von Ascot bieten abgesehen vom erhöhten Tragekomfort auch eine zusätzliche Tasche für Kleingeld oder Eintrittskarten, die in die Falten eingearbeitet ist. Um den Umfang des Kummerbunds an denjenigen seines Trägers anpassen zu können, ist er im Rücken entweder durch eine Schnalle, Häkchen oder Knöpfe justierbar. Besonders kostbare, maßgeschneiderte Varianten kommen ohne dieses Zugeständnis an die Konfektion aus. Als Material verwendet man in aller Regel Seide, idealerweise dieselbe, aus der auch die Smokingschleife besteht. Varianten wie Seidensatin oder Moiré sind möglich, allerdings eher selten in den Regalen der Herrenausstatter zu finden. Nicht viele Männer schätzen zudem die Tatsache, dass Moiré traditionell als Material für die Bauchschärpen von kirchlichen Würdenträgern zum Einsatz kommt.
Der klassische schwarze Seidenkummerbund mit passender Schleife von Ascot ist ein Muss für jeden, der hin und wieder ein wenig Abwechslung zum Abendanzug schätzt oder ausreichend viele Trageanlässe für seinen Smoking hat, um darauf achten zu müssen, nicht ständig gleich auszusehen in jenen Stunden, die ohnehin kleidungstechnisch nach einer gewissen Uniformität verlangen. In jedem Fall zeigt er Kenntnis der Geschichte der Herrenmode und Traditionsbewusstsein wie auch modische Raffinesse.
