Krawatten
Kaum ein Bestandteil der klassischen Herrengarderobe ist so stark modischen Einflüssen ausgesetzt wie die Krawatte. „Eine gut gebundene Krawatte ist der erste ernstzunehmende Schritt im Leben eines Mannes“, hat Oscar Wilde einmal pointiert formuliert. Bei aller Ironie, die diesem Satz innewohnt, lässt sich eines nicht von der Hand weisen: Trotz aller Bestrebungen der Modeindustrie ist die Krawatte nach wie vor essentielles Accessoire zum klassischen Anzug. Was wäre schließlich ein ansonsten eher schlichtes und zurückhaltendes Businessoutfit ohne den sympathischen Farbtupfer eines exquisiten, mit Sorgfalt ausgesuchten Langbinders?
Formal betrachtet ist die Krawatte eine längliche, mit einigem Zubehör mehrfach gefaltete Stoffbahn, die in erster Linie dazu dient, die Knopfleiste des Hemdes zu verdecken. Darüber hinaus soll sie einerseits die ansonsten recht triste Hemdbrust beleben und andererseits den Blick des Betrachters auf das Gesicht des Trägers lenken. In ihrer Form und Funktion steht die Krawatte sowohl der Schleife als auch der Plastronkrawatte nahe, deren geschichtliche Nachfolge sie vermutlich antrat. Bevor die Krawatte in ihrer heutigen Form Einzug in die Kleiderschränke dieser Welt hielt, knotete man sich ein Tuch aus gestärktem weißem Leinen teils kunstvoll und sehr aufwendig um das Kragenband des Hemdes. Der berühmte Dandy George „Beau“ Brummel soll oft Stunden und etliche Tücher gebraucht haben, ehe das Resultat des Bindeprozesses ihm hinreichend unbemüht erschien.
Die moderne Krawatte verkraftet dagegen problemlos häufiges Binden. Dies ist in erster Linie ihrer im Vergleich zum historischen Vorbild aufwendigen Konstruktion zu verdanken: Sie besteht aus zwei oder drei Stücken Obermaterial —meist bedruckte oder gemustert gewebte Seide, oft aber auch Wolle, Baumwolle oder Mischgewebe—, einer oder mehrerer Schichten Einlage aus Wolle, Leinen oder Baumwolle und zwei kleinen Stücken Spitzenfutter aus Seide. Das Prädikat „reine Seide“, das häufig auf den Etiketten in der rückwärtigen Spitze der Krawatte zu lesen ist, bezieht sich dabei lediglich auf das Obermaterial, alle übrigen Teile können durchaus aus anderen Stoffen besten. Die mit dem Spitzenfutter vernähten Teile des Oberstoffes werden um die Einlage herum gefaltet. Üblich sind drei Längsfalten, allerdings sind auch bis zu sieben Längsfalten möglich. Die benötigte Stoffmenge hängt dabei von der Anzahl der Falten ab. Anschließend wird die Krawatte auf der Rückseite mit nur einem einzigen Faden unsichtbar vernäht.
Krawatten von Ascot sind, wie für Langbinder der Spitzenklasse üblich, ausschließlich handgefertigt. Hierbei wird sowohl der Oberstoff von Hand gefaltet, als auch die rückseitige Schlussnaht manuell ausgeführt. Die Vorteile gegenüber einer maschinell gefalteten und vernähten Krawatte offenbaren spätestens nach einigen belastungsreichen Trageintervallen: Während sich bei einer Krawatte, die maschinell geschlossen wurde, auf der Rückseite durch häufiges Knoten und Öffnen, sowie durch unsachgemäße Lagerung allmählich kleine Fältchen entlang der Naht bilden können, die auf zu kräftigen Zug auf die Naht selbst schließen lassen, verfügt die Handnaht einer guten Krawatte über ausreichende Elastizität, um selbst rücksichtslosester Behandlung standzuhalten. So kann eine handgemachte Krawatte auch nach vielen Jahren noch gut aussehen. Handgefaltete und -gebügelte Krawatten erkennt man zudem sofort an den weichen Kanten entlang der Falten, die so nur eine kundige Fachkraft herstellen kann und die maschinell nicht zu erreichen sind.
Der Träger einer handgemachten Krawatte von Ascot zeigt somit offen seine Wertschätzung für traditionelles Handwerk und hervorragende Produktqualität bis ins letzte Detail.
